Prof. Dr. Daniel Grubeanu - DTMD University

Im Zuge des 3. Trierer Forums trafen sich Zahnmediziner der Region Eifel-Mosel-Saar, um die neusten wissenschaftlichen Standards der Implantologie aufzugreifen, und gemeinsam mit renommierten Referenten zu diskutieren. Das Konzept des Kongresses bestand aus einem Pre-Congress Workshop, einer Live-OP und einem umfangreichen Vortragsprogramm. Neben der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Grubeanu  zählten weitere Professoren und Dozenten der DTMD University for Digital Technologies in Medicine and Dentistry, Luxembourg,  zu den Referenten.

Bereits am Freitag konnten Teilnehmer in einem Hands-on Kurs am Schweinekiefer erste Eindrücke des Weichgewebsmanagement und der Implantatpositionierung unter der Leitung von Prof. Dr. Grubeanu und Prof. Dr. Bergmann von der DTMD University sammeln. Neben der wissenschaftlichen Theorie blieb genügend Zeit um verschiedenste Materialien rund um eine Implantation mit Augmentation sowie Nahttechniken für eine optimale Wundheilung kennen zu lernen. Diese reichten von verschiedenen Implantattypen, BLX (Straumann) und AnyRidge (MegaGen), bis hin zu Membranen, Knochenersatz oder anderen Biomaterialien (Emdogain). Der Workshop fand mit Unterstützung von Straumann und MegaGen in der Gemeinschaftspraxis portadente in Trier statt.

Fortsetzung erfolgte samstags in einer Live-Operation mit direkter Übertragung durch oemus media, zwp online und in den sozialen Medien. Eine Extraktionsalveole nach zuvor behandeltem Frontzahntrauma wurde mit einem PURE Implantat, einem zweiteiligen Keramikimplantat von Straumann, versorgt. Die exakte Positionierung erfolgte mittels einer zuvor angefertigten Bohrschablone, um sowohl chirurgisch als auch prothetisch optimal arbeiten zu können. Zur Defektdeckung diente ein augmentatives Verfahren mit Eigenknochen, Knochenersatzmaterial und dem Einsatz von PRGF (Plasma Rich Growth Factor), welches unmittelbar vor der Live OP aus Eigenblut des Patienten gewonnen wurde.

Die anschließenden Vorträge befassten sich mit Hauptthema: „Implantologie als chirurgische und prophetische Disziplin - neue Techniken und Risikomanagment“. Somit konnte die zuvor live erlebte Chirurgie anhand evidenzbasierter Wissenschaft komplettiert und diskutiert werden. Häufig verwendete Keywords der Referenten drehten sich dabei um atraumatische Extraktionen, den Einfluss der Digitalisierung auf Workflows oder individuell abgestimmte Planungen der Versorgung sowie die Biologisierung der Patienten.

Als erster Referent des Tages verwies Prof. Dr. Dr. Knut A Grötz aus Wiesbaden auf Zusammenhänge zwischen Diabetes und bestimmten Mündhöhlenkeimen. In seinem Vortrag „Diabetes und andere Störungen des Gefäßsystems – Wer ist chirurgischer Risikopatient und wer nicht?“ sensibilisierte er die Teilnehmer für den Zusammenhang zwischen Diabetes und Wundheilungsstörungen nach Extraktionen.

Prof. Dr. Sven Reich erläuterte im nachfolgenden Vortrag über implantatprothetische Versorgungen von kieferchirurgisch rekonstruierten Patienten die Wichtigkeit einer persönlich abgestimmten Behandlung. Eine eigens erstellte Checkliste soll erste Fragen bezüglich für den Zahnersatz ausschlaggebende Parameter wie beispielsweise Sprache, Schluckreflex oder Mundöffnung evaluiert werden. Des Weiteren erläutert Prof. Dr. Reich die Auswirkung des Weichgewebes in der prothetischen Versorgung. Dies impliziert auch die Notwendigkeit eines Langzeitprovisoriums, das Management des Weichgewebes sowie engmaschige Recalls.

Das Thema Weichgewebsrekonstruktion trat bei mehreren Referenten in den Mittelpunkt. Flapless Surgery bedeutet angenehmere Verhältnisse für den Patienten sowohl während also auch post operativ. Persönliche Aspekte reichen von der Einschätzung von Risikopatienten über anatomische Gegebenheiten bis hin zur Biologisierung von Knochen und Gewebe.

Prof. Dr. Adrian Kasaj bewertete verschiedene chirurgische Vorgehensweisen zu einer ästhetisch ansprechenden Deckung und stellte sich der Frage ob autotloge Transplantate heutzutage überhaupt noch notwendig sind. Sein Fazit: Azelluläre dermale Matrix porcinen Ursprungs funktionieren bei Zähnen deutlich besser als bei Implantaten.

Prof. Dr. Dr. Dr. Shahram Ghanaati favorisiert die Biologisierung von Knochen und Weichgewebe, um eine optimale Wundheilung und somit ein ideales Behandlungsergebnis erreichen zu können. Die Phasen der Wundheilung sind ein multifaktorielles Geschehen, welches in seiner Komplexität zuerst verstanden werden muss. Danach kann die Materialwahl indikationsbedingt ausgewählt werden, um die Wundheilung positiv beeinflussen zu können. Angefangen von PRGF-Verfahren bis zur Einstellung des Patienten beispielsweise durch Ausgleichen eines Vitamin D-Mangels verhelfen zu einer verkürzten Knochenregeneration und unterstützen gleichzeitig die Weichgewebsheilung.

Das PRGF-Verfahren wurde später von Dr. Torsten Conrad (DTMD University) in seinem Vortrag „Verkürzte Knochenregeneration - Durch die Kombination von Plated-Rich Fibrin (PRF), einem Konzentrat aus autonomem peripher-venösem Blut mit biovinem Knochenersatzmaterial, kann die Regeneration der Alveole verbessert werden“ nochmal aufgegriffen. Er verglich solides und flüssiges PRF und berichtete über Erfahrungen mit Knochenregenerationen und homogen verteilten Knochenneubildungen.

Auswertungen über 30.000 gesetzten Implantaten wurden von Dr. Dr. Wolfgang Jakobs präsentiert. Die Ergebnisse des Dokumentation- und Kontrollsystem ECDI bezüglich Frühverlusten und Risiken wurden hinsichtlich mechanischer, biologischer und medizinischer Faktoren untersucht und lieferten interessante Ergebnisse. Als Herausforderung gilt jedoch nach wie vor die Datenqualität in Bezug auf Genauigkeit und Vollständigkeit.

Diplomzahntechniker Olaf van Iperen stellte sich der Frage: „Wie viel Zahntechnik braucht die Implantologie?“ Die digitale Prothetik wächst immer mehr in der aktuellen Implantologie. Es entstehen vereinfachte Workflows mithilfe von 3D Diagnosik, Planing und Matching oder Guided Surgery. Nach wie vor sind Zahntechniker im dentalen Workflow nicht wegzudenken.

Prof. Dr. Kasten Kamm (DTMD University) präsentierte Visionen für die Zukunft. Dabei ließen Präzision und Genauigkeit im direkten Vergleich von analog und digital Platz für Diskussionen.Tools wie digitale Applikationen oder Softwareprogramme können in der Kommunikation zwischen Patienten und Behandler von Vorteil sein.

Das abschließende Thema „Fehler bei der Implantation vermeiden - mögliche Konsequenzen aus gutachterlicher Sicht.“ rundete die Vortragsreihe ergänzend ab. Dr. Dr. Thomas Morbach berichtete über Risikomanagement und gab wertvolle Tipps im Erkennen von potenziellen Gefahrenquellen. Eine Ausreichende Risikoanalyse im Vorfeld, chirurgische und prothetische Planung sowie ausreichende Dokumentation sind dabei unerlässlich.

Auch in diesem Jahr war die Veranstaltung ein Erfolg. Mit bis zu 100 Teilnehmern gelingt es, durch renommierte Referenten und ein spannendes Vortragsprogramm, wertvolles Wissen regional weiterzugeben. Der Termin für das nächste Jahr steht schon fest:

Save the date 20/21.03.2020 im Robert-Schumann-Haus, Trier.