Schloss Wiltz, 30.12.2020

 

 

Corona verändert das Qualifikationsprofil von Arbeitsplätzen
Berufliche Weiterbildung muss praxisrelevant sein

 

Die Pandemie verschiebt den Bedarf nach Kompetenzen, Fertigkeit und Fähigkeiten. Dies zeigen mehrere Untersuchungen der Auswirkungen von Corona auf das Qualifikationsprofil von Beschäftigten und Selbständigen in der EU. Entsprechend ändern sich die Anforderungen an die berufliche Weiterbildung.

 

Corona verändert nach Auskunft des Europäischen Zentrums für die Förderung der Berufsbildung Cedefop das Qualifikationsprofil von Arbeitsplätzen. Fähigkeiten, die mit sozialer Distanzierung verbundenen Herausforderungen zu bewältigen, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Dies gilt für abhängig Beschäftigte ebenso wie für Selbständige in fast allen wirtschaftlichen Sektoren, so auch im Gesundheitswesen und in der Pflege. Ein nicht unwesentlicher Nebeneffekt dabei ist, dass akademische Abschlüsse allein bestenfalls Türöffner-Funktion haben. Entscheidend sind praxisrelevante und praxistaugliche Kompetenzen, die unmittelbar einsetzbar sind.

 

Besonders deutlich ist dies bei Neubesetzungen im Vertrieb und im Marketing. Gesucht werden Mitarbeiter, die Expertise für die Entwicklung und Erweiterung von Online-Angeboten und digitalen Kommunikations- und Vertriebsstrategien mitbringen. Gefragt sind darüber hinaus Ingenieur-, Architektur- und Konstruktionsfähigkeiten. Zahlreiche Anbieter sind in der Tat in Corona-Zeiten darauf bedacht, die Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Sicherheit ihrer Produktions- und Dienstleistungsprozesse zu gewährleisten. Nach Ansicht von Prof. Dr. André Reuter, Präsident der DTMD University for Digital Technologies in Medicine and Dentistry, trifft dies nicht nur für den klassischen Fertigungsbereich zu, sondern gilt auch für das Gesundheitswesen und die Pflege. Praxen, Labors, Kliniken und Pflegeeinrichtungen müssten eingespielte Aufbau- und Ablauf-Organisationen auf den Prüfstand stellen, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und Patienten effektiv zu schützen. Gleichzeitig müssten sie die Qualität ihrer Leistungen sicherstellen. Ohne umfassendes digitales Qualitätsmanagement-System (QM-System) sei dies kaum möglich. „Corona offenbart Versäumnisse und Mängel, die oft bekannt sind, denen bislang aber weder die Betroffenen noch die Politik besondere Bedeutung geschenkt haben.“

 

Ärzte und Krankenhäuser sind auf kein spezifisches QM-System festgelegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbst­verwaltung im deutschen Gesundheitswesen, beschließt zwar Maßnahmen der Qualitätssiche­rung für Praxen und Krankenhäuser, er beschränkt diese aber im Sinne einer Outcome-Orientierung auf die zu erreichenden Ergebnisse ohne spezielle Methoden bzw. besondere Umsetzungsoptionen vorzuschreiben.

 

Zum Qualitätsmanagement schreibt die am 1. Januar 2006 in Kraft getretene Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA): „Die an der vertragszahnärztlichen Versorgung teilneh­menden Zahnärzte und zahnärztlichen Einrichtungen sind verpflichtet, ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln.“ Dieses einrichtungsinterne Qualitätsmanagement, das nicht näher bestimmt wird, soll Vertragszahnärzten die Möglichkeit bieten, das Qualitätsmanagement für die eigene Praxis individuell zu entwickeln und zu imple­men­tieren. Es bleibt den Betroffenen unbenommen, sich ein für die eigenen Zwecke geeignetes QMS am Markt zu suchen. Auch können sie ein solches System selbst entwickeln bzw. entwickeln lassen.

 

Unabhängig vom QMS und seiner mehr oder weniger spezifischen Implementierung ist der Prozess, wie Personen auf Herausforderungen und Veränderungen mit Anpassung ihres Verhaltens reagieren, von eminenter Bedeutung. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von der Resilienz. Gemeint ist die Widerstandsfähigkeit, mit belastenden Situationen umgehen zu können. Diese hängt zum einen von der Elastizität, zum anderen von der Spannkraft eines Organismus ab. Die Resilienz ist ein wichtiger Faktor qualitativ hochwertiger Leistungserbringung.

 

Mit der Veränderung der Qualifikationsprofile geht eine Veränderung der Anforderungen an die berufliche Weiterbildung einher. Diese muss praxistauglich und praxisrelevant in dem Sinne sein, dass neu erworbene Fähigkeiten und Kompetenzen sofort im Arbeitsalltag der Studierenden einsetzbar sind, was unmittelbare Folgen für die Auswahl und Berufung der Dozenten hat. Dazu Prof. Dr. Ralf Rössler, Dekan der DTMD University: „Wir legen bei unseren Dozenten großen Wert darauf, dass diese neben ihrer Lehr- und Forschungstätigkeiten selbst unmittelbare klinische Praxis haben.“ Nur so könne die Hochschule sicherstellen, dass ihre berufsbegleitenden postgradualen Studiengänge und Kurse dem aktuellen Stand einer patientenzentrierten innovativen Diagnostik, Behandlung und Betreuung gerecht werden.

 

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