Die COVID-Krise und der Weg in die Digitalisierung

 

Wiltz, den 20.11.2020

 

Die COVID-19-Epidemie ist nicht nur eine gewaltige Herausforderung für das Gesundheitswesen und die Pflege, sie deckt auch schonungslos die Versäumnisse der letzten Jahre auf. So verdeutlicht sie zunehmend mehr, als es der Politik Recht sein kann, die zwingenden Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, die eine effektive digitale Versorgung und Weiterbildung überhaupt erst möglich machen. Es führt nun einmal kein Weg an technischer und gesellschaftlicher Konnektivität vorbei. Mindestens ebenso wichtig ist eine geeignete digitale Ausbildung und Ausrüstung für Lernende und Lehrende. Die Transition von etablierten und bewährten analogen Verfahren hin zu innovativen Lehrmethoden mit einer angepassten Pädagogik kann nur gelingen, wenn Ausbilder und Dozenten qualifiziert und souverän mit digitaler Technologie umgehen können.

 

Konnektivität bedeutet „Verbindungsfähigkeit“. Dabei geht es um die Funktions- und Leistungsfähigkeit eines Netzwerkes ebenso wie um die Möglichkeit einzelner Geräte und Systeme, sich in ein bestehendes Netzwerk einzuwählen. Da ein Netzwerk aus einer Menge von Knoten und deren Verbindungsoptionen besteht, beschreibt die Konnektivität auch die Ressourcen, die notwendig sind, um ein Netzwerk effektiv und effizient zu betreiben. Technisch mag dies relativ einfach sein, auch wenn Corona das „Breitband-Versprechen“ der Politik an (zu) vielen Stellen als bloße Worthülse entlarvt. Komplizierter wird es bei der gesellschaftlichen Konnektivität und dem Wandel unseres Zusammenlebens aufgrund der zunehmenden Vernetzung von Menschen und Ressourcen. Digitale Kommunikationskanäle und -Technologien verändern unser soziokulturelles Gefüge grundlegend. Neue Verhaltensmuster und Lebensstile entstehen dabei quasi zwangsläufig.

 

Dazu Prof. Dr. André Reuter, Präsident der DTMD University: „Das Gesundheitswesen kann sich diesem fundamentalen Umbruch nicht entziehen. Vielmehr muss es ihn gezielt begleiten und unterstützen. Dazu brauchen seine Protogonisten mehr als „nur“ Technik. Sie brauchen ein ganzheitliches Verständnis des digitalen Wandels.“ Diese systemische Einsicht fehlt allerdings den meisten Ärztinnen und Ärzten, da Universitäten und Hochschulen das Thema mehrheitlich noch sich für sich entdeckt haben. Gleiches gilt für die Weiterbildungsangebote der Kammern und Fachgesellschaften.

 

Dabei definiert der Europäische Referenzrahmen „DigComp“ alle Facetten geforderter digitaler Kompetenzen für Alltag, Beruf und Lernen ziemlich punktgenau. Dazu zählen auch Tools für die Erstellung und Präsentation digitaler Inhalte sowie für die Gewährleistung der Datensicherheit.

 

Tibor Navracsics, in der Kommission Juncker, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport bringt es auf den Punkt: „In der heutigen im raschen Wandel befindlichen Welt muss jedes Land sicher sein, dass seine Arbeitskräfte über die auf dem Arbeitsmarkt benötigten Kompetenzen verfügen; jeder Arbeitgeber muss sicher sein, dass seine Beschäftigten über die notwendigen Kompetenzen verfügen, um im Wettbewerb zu bleiben; und jeder Erwachsene muss seine Kompetenzen erhalten und ausbauen, um seine Beschäftigungsfähigkeit zu wahren und uneingeschränkt an der Gesellschaft teilhaben zu können.“

 

Was bedeutet dies für die universitäre Weiterbildung im Gesundheitswesen?

Corona-Lockdown und Homeschooling zeigen, dass beim Online-Unterricht verschiedene pädagogische Ansätze erforderlich sind. Lehrende und Lernende müssen die Fähigkeiten und das Know-how für diese unterschiedliche Art des Lernens vielfach erst entwickeln. Die Anbieter von Weiterbildungsmaßnahmen können nicht einfach wie bisher weitermachen. Sie brauchen einen strategischen Ansatz, um digitale Technologien in ihrem Lehr- und Ausbildungsprozess effektiv einzusetzen.

 

Dabei müssen sie vier Akzente setzen: die Kluft zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach zukunftsweisenden Qualifikationen schließen, den Fokus auf praktische klinische Kompetenzen legen, die Verschränkung von Gesundheits- und Medienkompetenzen fördern und die Qualitätskultur über die formalisierte Qualitätssicherung hinaus verbessern.

 

Reuter weiter: „Im Gesundheitswesen wie auch in der Pflege, und hier vielleicht sogar verstärkt, öffnet die Digitalisierung neue Optionen. Diese können für die individuelle Gesundheit nachhaltige Vorteile aber auch ambivalente Konsequenzen haben. Daher braucht es besondere Fähigkeiten und eine gezielte konzeptionelle Ausbildung zur Förderung des Verständnisses digitaler Gesundheitskompetenz. Sie muss die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung von Gesundheit ebenso einschließen wie den Umgang mit Krankheit.“

 

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