EU-Kompetenzzentrum für digitales Kulturwissen

 

 

Schloss Wiltz, 20.01.2021

 

Die EU-Kommission richtet ein Zentrum für die digitale Sicherung und Bewahrung des kulturellen europäischen Erbes ein. Sie folgt damit der Forderung im Informationszeitalter, neben dem physischen Zusammentragen und Aufbewahren einzelner Objekte in Museen, Sammlungen und Archiven der digitalen Verfügbarkeit kultureller Güter einen höheren Stellenwert einzuräumen.

 

Ein europäisches Kompetenz­zentrum soll daher nunmehr Kulturwissen in digitaler Form erschließen, sichern und verfügbar machen. Das neue Zentrum wird in der Aufbau- und Einrichtungsphase in den kommenden drei Jahren mit bis zu 3 Mio. EUR aus dem Programm Horizont 2020 finanziert werden. In einem ersten Schritt soll ein kollaborativer digitaler Raum den Zugang zu unterschiedlichen Quellen mit Daten, Metadaten, Standards und Richtlinien ermöglichen.

 

Das Istituto Nazionale di Fisica Nucleare, das Nationale Institut für Kernphysik in Italien, wird ein Team von 19 Experten aus 11 EU-Mitgliedstaaten, der Schweiz und Moldawien koordinieren. Sie sollen einen ganzheitlichen interdisziplinären Ansatz zur hochmodernen 3D-Dokumentation von Denkmälern und besonderen Stätten entwerfen und eine virtuelle Infrastruktur sowie Fachwissen, Beratung und Dienstleistungen mit einem besonderen Schwerpunkt auf 3D-Technologie bereitzustellen. Dazu wird es Richtlinien für die Datenerfassung, -verwaltung und -spei­cherung, einen Katalog dokumentierter Standards sowie eine Bestandsaufnahme dedizierter Software und Tools geben. Zudem wird eine „Kulturerbe-Cloud“ implementiert werden.

 

Sowohl in der Human- als auch in der Zahnmedizin gibt es seit einiger Zeit Bestrebungen, Patienten- und OP-Dokumentationen zu sammeln und zu digitalisieren. Auf der Ebene einzelner Praxen, Lehrstühle und Klinikabteilungen ist dies wohl aufgrund § 630 f Abs. 1 BGBD zulässig, wenn sichergestellt ist, dass nachträgliche Berichtigungen und Änderungen von Eintragungen zusätzlich zum ursprünglichen Inhalt nicht nur erkennbar bleiben, sondern auch chronologisch nachverfolgt werden können.

 

Vorausgesetzt die Ärztin oder der Arzt ergreifen besondere Sicherungs- und Schutz­maß­nahmen, um die Veränderung, Vernichtung oder unrechtmäßige Verwendung der gespeicherten Daten zu verhindern (vgl. § 10 Abs. 5 MBO-Ä), ist das Speichern von Patientendaten in elektronischer Form berufsrechtlich ebenfalls unbedenklich. Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass der Beweiswert elektronisch gescannter und gespeicherter Unterlagen im Vergleich zum Original reduziert sein kann, da sie keine „Urkunden“ darstellen.

 

Völlig anders stellt die Situation sich dar, wenn es darum geht, Praxis-, Klinik- oder Hochschul-übergreifend Daten zu sammeln, zu scannen und in Datenbanken zur Verfügung zu stellen. Neben rechtlichen gibt es eine Reihe ethischer Aspekte, die ungeklärt sind und derzeit in Deutschland im Gegensatz zum Ausland zum Beispiel digitale Tumordatenbanken verhindern.

 

 

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