Wiltz/Luxemburg, 28. März 2019

Die belgische EU-Ratspräsidentschaft startete 2001 in Brügge ein europäisches Projekt, das in der beruflichen Aus- und Weiterbildung ähnliche Reformschübe auslösen sollte, wie der Bologna-Prozess im Hochschulbereich. Im Gegensatz zum Bologna-Konzept wollte man sich allerdings nicht auf formale universitäre Bildungswege fokussieren, sondern vielmehr eine Klammer zwischen informeller, formaler und non-formaler beruflicher Bildung schaffen. 31 europäische Bildungsminister (EU- und EWR-Staaten) verabschiedeten ein Jahr später in Kopenhagen eine entsprechende Erklärung und hoben damit den Brügge-Kopenhagen-Prozess aus der Taufe.

„Durch die gezielte Anerkennung von Methoden und Maßnahmen informeller und non-formaler Bildung“, so Prof. Dr. André Reuter, Präsident der luxemburgischen University for Digital Technologie in Medicine and Dentistry mit Sitz im Schloss Wiltz, „gewährleistet der Brügge-Kopenhagen-Ansatz im Gegensatz zur Bologna-Idee, dass lebenslange Lernprozesse, in denen Menschen Haltungen, Werte, Fähigkeiten und Wissen durch Einflüsse und Quellen der eigenen Umgebung erwerben und/oder aus der täglichen Erfahrung übernehmen, ebenso berücksichtigt werden, wie von-formale Qualifizierungsangebote zur Verbesserung von beruflichen Fähigkeiten und Kompetenzen.“ Die Palette sei dabei sehr breit gefächert und reiche von einfachen handwerklichen Fähigkeiten bis hin zu postgradualen Master- und Promotionsstudien. Für Angehörige von Gesundheitsberufen ist dies von besonderer Wichtigkeit. Zum einen sind regelmäßige Weiterbildungsmaßnahmen Pflicht, zum anderen können Quereinsteiger von einer gezielten Qualifizierung profitieren, die ihnen angesichts des grassierenden Fachkräftemangels Türen im Gesundheitswesen öffnen kann.

Kernanliegen des Brügge-Kopenhagen-Prozesses, dem sich die DTMD University verschrieben hat, ist es, europaweit Transparenz, Durchlässigkeit und Mobilität im Hochschul- wie auch im Nichthochschulbereich zu garantieren und länderübergreifend gemeinsame Kriterien und Grundsätze für offene Perspektiven und Qualität in der beruflichen Bildung zu schaffen. Dazu braucht es gemeinsame Grundsätze für die Validierung von nicht-formellem und informellem Lernen sowie ein gesichertes Anrechnungs- und Übertragungssystem für die berufliche Bildung.

Digitalisierung macht Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung unabdingbar

Reuter weiter: „Die aufkommende Digitalisierung des Gesundheitswesens macht deutlich, dass die Hochschule längst nicht mehr der einzige Ort ist, an dem Mediziner sich Kompetenzen aneignen können und müssen. Dies verleiht der postgradualen beruflichen Weiterbildung einen völlig neuen Stellenwert.“ Der Brügge-Kopenhagen-Prozess, der im Gegensatz zum Bologna-Prozess kein intergouvernementaler Prozess, sondern ein EU-Prozess ist, betone daher die unbedingte Notwendigkeit der Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung. Diese könne am besten anhand der entsprechenden ISO-Zertifizierungen nachgewiesen werden. Eine solche Zertifizierung muss nach Ansicht des Präsidenten der DTMD University unbedingt die Umsetzung und Anwendung des ECVET, des Europäischen Kreditpunktesystems für die berufliche Bildung und ihre Anwendung auf einzelne Ausbildungsmodule einschließen.