Wiltz, den 6. 12. 2020

 

Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft haben die für die Berufsbildung zuständigen Minister der Mitgliedstaaten, der EU-Beitrittsländer und der Länder des Europäischen Wirtschaftsraums EWR sowie die Vertreter der europäischen Sozialpartner und der Europäischen Kommission sich am 30. November 2020 auf eine neue Reihe neuer politischer Maßnahmen für die berufliche Aus- und Weiterbildung für den Zeitraum 2021-2025 geeinigt.

 

Die „Osnabrücker Erklärung 2020 zur beruflichen Aus- und Weiterbildung als Wegbereiter der Erholung und eines gerechten Übergangs zu digitalen und grünen Volkswirtschaften“ (Osnabrück Declaration 2020 on vocational education and training as an enabler of recovery and just transitions to digital and green economies) fasst die Vi

sion und die strategischen Ziele aus der Empfehlung des Rates zur Berufsbildung zusammen und fokussiert diese vor allem auf nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit sowie soziale Gerechtigkeit und Widerstandsfähigkeit. Erklärtes Ziel der zuständigen Ministerinnen und Minister ist es, zukunftsorientierte und innovative Bildungs- und Ausbildungssysteme zu schaffen und weiterzuentwickeln. Nach der Corona-Pandemie sollte die Beschäftigungs- und Wettbewerbsfähigkeit umgehend wiederhergestellt und verbessert werden und das Wirtschaftswachstum sollte damit angekurbelt werden.

 

Nachhaltige Verpflichtung zum Brügge-/Kopenhagen-Prozess

Nicolas Schmit EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration

Eine starke Partnerschaft mit den Sozialpartnern ist für die Erreichung der in der Osnabrücker Erklärung dargelegten Ziele und Leistungen von entscheidender Bedeutung. Dazu erklärte der luxemburgische EU-Kommissar für Beschäftigung,
Soziales und Integration Nicolas Schmit: „Wir schätzen die nachhaltige Verpflichtung der Anbieter beruflicher Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie der Vertreter der Lernenden zum Brügge-/Kopenhagen-Prozess.“ Der Brügge-/Kopenhagen-Prozess sei ein Katalysator für die Modernisierung der Berufsbildung in vielen EU-Mitgliedstaaten und Kandidatenländern und unterstütze die EU-Kommission bei der Realisierung des mit dem Bildungsanspruch verbundenen strategischen Ziele und Vorgaben.

 

Mit der kürzlich aktualisierten Europäischen Qualifikationsagenda und dem Vorschlag der Kommission für eine Empfehlung des Rates zur Berufsbildung gewinnt die Berufsbildung eine neue Dynamik. Grundlage ist die Kopenhagener Erklärung vom 29. und 30. November 2002. Sie stärkt das Recht des Einzelnen auf eine hochwertige und integrative allgemeine und berufliche Bildung sowie auf lebenslanges Lernen, wie es im ersten Grundsatz der Europäischen Säule der sozialen Rechte verankert ist.

 

Schmit weist darauf hin, dass der Brügge-/Kopenhagen-Prozess eine dreigliedrige Plattform zur Intensivierung, Ergänzung und Operationalisierung der europäischen Berufsbildungspolitik bietet. Er sei auch die Grundlage für die Stärkung der Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern, Kammern, Berufsbildungsanbietern und den Organisationen der Lernenden für die nächsten fünf Jahre. Zudem betont er die Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung.

 

Berufsbildung und arbeitsbasiertes Lernen in realen Arbeitsumgebungen sind nach Angaben der EU-Kommission als „Business-Enabler“ eine wesentliche Grundlage und Voraussetzung für grünes, digitales und nachhaltiges Wachstum. Berufsbegleitende postgraduale Weiterbildung steigert die Krisenresistenz des Einzelnen wie auch der Gesellschaft und entwickelt hochwertige Optionen für eine gerechte Verteilung des Wachstums unter allen Bürgern und Gesellschaften.

 

Unter Berücksichtigung der aktualisierten Europäischen Qualifikationsagenda konzentriert sich die Osnabrücker Erklärung auf vier Hauptbereiche für die Jahre 2021 bis 2025:

 

  1. Belastbarkeit und Exzellenz durch eine qualitativ hochwertige, integrative und flexible Berufsbildung
    Neue Technologien, neue Geschäftsmodelle, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, demografischer Wandel, Klimawandel und die durch COVID-19 verursachte Wirtschaftskrise erfordern flexible Reaktionen der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Das Potenzial des digitalen Lernens und der künstlichen Intelligenz muss intensiv genutzt werden, um Lernende bei der Entwicklung ihres Wissens, ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen sinnvoll zu unterstützen.
  2. Etablierung einer neuen Kultur des lebenslangen Lernens – Bedeutung der beruflichen Weiterbildung und der Digitalisierung
    Europäische und nationale Qualifikationsrahmen gewährleisten Qualität und Transparenz von Bildungsmaßnahmen. Eine neue Kultur des lebenslangen Lernens impliziert, dass der Einzelne sich während seines gesamten Lebens an hochwertigen und integrativen Berufsbildungsprogrammen beteiligen und Schlüsselkompetenzen erwerben kann, um seine Ausbildungs- und Beschäftigungsphasen aktiv zu gestalten.
  3. Nachhaltigkeit – ein grüner Link in der Berufsbildung
    Nachhaltigkeit ist ein transversales Anliegen, das sich mit der Nachfrage nach Arbeitskräften, Bildung, Qualifikationen und der geografischen Verteilung von Arbeitsplätzen und Arbeitnehmern überschneidet. Die Verbindung zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit ist von zentraler Bedeutung, um allgemeine und berufliche Bildung leichter zugänglich zu machen.
  4. Europäischer Bildungs- und Ausbildungsraum und internationale Berufsbildung
    Dieses Ziel adressiert die ehrgeizige Absicht des Brügge-/Kopenhagen-Prozesses, Europa zu einer weltweiten Referenz für Lernende zu machen. Den europäischen und nationalen Qualifikationsrahmen kommt dabei eine Signalwirkung zu.

 

Die Grenzen zwischen Hochschulbildung und Berufsbildung verschwimmen zunehmend. Hindernisse sind allerdings noch zu überwinden, um eine größere Durchlässigkeit der Bildungs- und Ausbildungssysteme zu gewährleisten. Die EU-Kommission unterstützt daher Initiativen für Exzellenz in der Berufsbildung und betont die Relevanz von berufsbegleitenden postgradualen Weiterbildungsmaßnahmen auf den EQR-Niveaus 5 bis 8. Diese sind den entsprechenden Qualifizierungsstufen im Hochschulbereich gleichgestellt, um den Absolventen der Berufsbildung einen flexiblen und integrativen Weg zu hochrangigen Arbeitsplätzen und Karrieren zu öffnen.

 

„Die DTMD University“, so Prof. Dr. Ralf Rössler, “sieht ihre Strategie, ihr berufsbegleitendes postgraduales Weiterbildungsangebot am Brügge-/Kopenhagen-Prozess auszurichten und zu optimieren, durch die Osnabrücker Erklärung validiert und bestärkt.“ Gerade im Gesundheitswesen und in der Pflege komme es auf den praktischen klinischen Bezug an. Und weiter: „Die berufsbegleitende postgraduale Weiterbildung der DTMD University gewährleistet den benötigten Informations-, Wissens- und Kompetenztransfer wesentlich besser und adäquater als theoretische Massenveranstaltungen fern jeder Praxisrealität.“

 

 

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