Verwirrende teils irreführende Begriffsvielfalt

 

Wiltz, den 10. Januar 2021

 

 

Die Begriffe und Worthülsen, mit denen zahlreiche Anbieter für ihre Aus- und Weiterbildungsprogramme werben, könnten nicht vielfältiger und irreführender sein. Oft sind die Formulierungen so gewählt, dass potenzielle Studierende nicht erkennen können, ob es sich um akademische/universitäre Studien mit einem international anerkannten Abschluss handelt oder ob es Maßnahmen sind, deren Erfolg nicht oder „lediglich“ mit einem Zertifikat des Anbieters bestätigt wird.

 

Die Rede ist dann zum Beispiel von „Mini-Master“, „Wochenend-Master“, „Weekend-MBA“, „Executive-Master“, „Europa-Master“ oder Master-Zertifikate, um nur einige Begriffe zu nennen, die bei potenziellen Interessenten Verwirrung stiften können.

 

Unabhängig davon, ob es sich um international anerkannte Masterstudiengänge staatlicher oder privater Hochschulen handelt oder um andere Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, für potenzielle Studierende stellt sich immer die Frage, ob ein Zertifikatkurs sich für sie lohnt oder ein reguläres Masterstudium die bessere Wahl ist.

 

Gemeinsam mit Frankreich, Italien und Großbritannien hat Deutschland 1998 die Grundlagen für einen gemeinsamen Rahmen für die europäische Hochschulbildung geschaffen. Aus der Sorbonne-Erklärung entstand ein Jahr später der Bologna-Prozess, dem mittlerweile knapp 50 Staaten weltweit angehören. Die Kernziele des Bologna-Prozesses sind die Stärkung einer europäischen Dimension der Hochschulbildung, die Einführung gestufter Studiengänge, die Einführung eines Kreditpunktesystems ECTS, die europäische Zusammenarbeit im Bereich der Qualitätssicherung sowie die Förderung der Mobilität der Studierenden und Hochschulangehörigen.

 

Eine wichtige Grundlage der europäischen Dimension der Qualitätssicherung im Hochschulbereich ist der Europäische Qualifikationsrahmen, sowie seine Umsetzung und Anpassung in nationale Vorgaben. Die Stufen 6 (Bachelor), 7 (Master) und 8 (Promotion/Doktorat) sind der akademischen (universitären) Aus- und Weiterbildung vorbehalten, und die entsprechenden Studiengänge sind nach dem durch sie erlangten Grad/Studienabschluss benannt. Masterstudien sind akademische Abschlüsse, die auf dem Bachelor aufbauen und zur Promotion berechtigen können. Wir unterscheiden je nach Schwerpunkt und Ausrichtung des Studiums:  M.A. (Master of Arts), M.Sc. (Master of Science), M.Eng. (Master of Engineering), LL.M. (Master of Laws), M.F.A. (Master of Fine Arts), M.Mus. (Master of Music), M.Ed. (Master of Education), M.Arch. (Master of Architecture) sowie den MBA (Master of Business Administration).

 

Masterstudiengänge anerkannter staatlicher und privater Hochschulen sind von unabhängigen Agenturen nach den von der ENQA, der European Association for Quality Assurance in Higher Education, ausgearbeiteten „Standards and Guidelines for Quality Assurance in the European Higher Education Area“ (ESG) akkreditiert. Einige Universitäten, so die DTMD University, sind zudem als Bildungsdienstleister ISO-zertifiziert. Beide Qualitätskriterien sind wichtige Wettbewerbs- und Differenzierungspotenziale sowohl für die Hochschulen als auch für die Studierenden.

 

Masterstudien dauern in der Regel 4 oder 5 Semester, wobei das letzte Semester für die Erstellung der Thesis, der Masterarbeit und deren Präsentation und Verteidigung im Abschluss-Kolloquium vorgesehen ist. Da Masterstudien auf den Stoff der Bachelor-Abschlüsse aufbauen, setzen sie in aller Regel einen erfolgreichen Bachelorabschluss voraus. Bei besonderen beruflichen Qualifikationen und entsprechender beruflicher Erfahrung kann aber auch ein Direkteinstieg ins Masterstudium über das Instrument der Anerkennung beruflicher Kompetenzen möglich sein.

 

Masterstudiengänge werden heute im Rahmen der universitären Weiterbildung – ohne Einfluss auf den Wert des Abschlusses und der Qualität der Lehre und Forschung – vermehrt berufsbegleitend und postgradual angeboten.

 

Fassen wir zusammen: Akkreditierte Masterstudiengänge folgen internationalen Qualitätsstandards und führen zu international anerkannten, mit ECTs (European Credit Transfer System) bewerteten, Hochschulgraden und -abschlüsse.

 

Im Gegensatz zu Masterstudiengänge unterliegen Zertifikatskurse und -Studien keiner Akkreditierungspflicht und keiner ECTs- „Bepreisung“. Master-Zertifikate sind daher, auch wenn die Bezeichnung es nahelegt, nicht mit Master-Graden und entsprechenden akademischen/universitären Hochschulabschlüssen vergleichbar. Auch sind sie nicht verpflichtend der Ebene 7 des Europäischen und der Nationalen Qualifikationsrahmen zuzurechnen. Vielmehr können sie inhaltlich und von ihrem Anspruch her auf allen Stufen der Qualifikationsrahmens ab der Ebene 4 angeboten werden.

 

Diese Einschränkungen müssen nicht unbedingt von Nachteil sein. Ein Zertifikatskurs oder -studium ist grundsätzlich eine gute Möglichkeit, seine Qualifikationen für den Arbeitsmarkt aufzurüsten. Zertifikatskurse sind in der Regel wesentlich kürzer, weniger aufwendig und damit kostengünstiger als Masterabschlüsse. Sie können ein Themengebiet und/oder Fragestellung sehr fokussiert adressieren. Von Nachteil ist allerdings, dass Zertifikate nicht zwingend von einer Hochschule angeboten werden und dass sie nicht dem internationalen Anspruchsniveau der Ebene 7 des Europäischen Qualifikationsrahmen entsprechen müssen. Fakt ist daher, dass Zertifikatsabschlüsse vor allem von der Reputation der Bildungsdienstleister und seiner Dozenten leben.

 

 

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